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 Die leiden eines Mannes

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Shatyra
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BeitragThema: Die leiden eines Mannes   Sa Jan 01, 2011 12:31 pm

Meine Frau lernte mich kennen, nicht umgekehrt.
Sie stellte mir förmlich nach.
Egal wo ich hinkam, sie war schon da.

Das ist nun zwölf Jahre her.

Damals war ich eingefleischter Motorradfahrer, trug nur schwarze Sweat-Shirts,
ausgefranste Jeans, Bikerstiefel und ich hatte lange Haare.


Selbstverständlich hatte ich auch ein Outfit für besondere Anlässe.
Dann trug ich ein schwarzes Sweat-Shirt, ausgefranste Jeans und weiße Turnschuhe.

Hausarbeit war ein Übel, dem ich wann immer es möglich war, aus dem Weg ging.


Aber ich mochte mich und mein Leben.

So also, lernte sie mich kennen.
"Du bist mein Traummann. Du bist so männlich, so verwegen und so frei."



Mit der Freiheit war es alsbald vorbei, da wir beschlossen hatten, zu heiraten.
Warum auch nicht, ich war männlich, verwegen, fast frei und ich hatte lange Haare.


Allerdings, nur bis zur Hochzeit.
Kurz vorher hörte ich sie sagen: "Du könntest wenigstens zum Frisör gehen, schließlich kommen meine Eltern zur Trauung."

Stunden - nein Tage später und endlose Tränen weiter, gab ich nach und lies mir eine modische Kurzhaarfrisur verpassen,
denn schließlich liebte ich sie und was soll´s, ich war männlich, verwegen, fast frei und es zog auf meinem Kopf.

Und ich war sooooo lieb.
"Schatz, ich liebe Dich so, wie dur bist" hauchte sie.

Das leben war in Ordnung, obwohl es auf dem Kopf etwas Kühl war.


Es folgten wochen friedlichen Zusammenseins, bis meine Frau eines Tages mit einer großen Tüte unterm Arm vor mir stand.
Sie hohlte ein Hemd, einen Pullunder (bei dem Wort läuft es mir schon eiskalt den Rücken runter) und eine neue Hose hervor und sagte:
" Probier das bitte mal an."

Tage - Wochen - nein Monate und endlose Papiertaschentücher weiter, gab ich nach und trug, Hemden, Pullunder (Ärrrgh) und Stoffhosen.
Es folgten schwarze Schuhe, Sakkos, Krawatten und Designermäntel.

Aber ich war männlich, verwegen, totschick und es zog auf meinem Kopf.


Dann folgte der größte Kampf.
Der Kampf, um das MOTORRAD.

Allerdings dauerte der nicht sehr lange, denn im schwarzen Anzug, der ständig kneift und zwickt, lässt es sich nicht sehr gut kämpfen.
Außerdem drückten die Lackschuhe, was mich auch nur mürbe machte.


Aber was soll´s, ich war männlich, spießig, fast frei, führ einen Kombi und es zog auf meinem Kopf.

Mit den Jahren folgten viele Kämpfe, die ich allesamt in einem Meer von Tränen verlor.
Ich spülte, bügelte, kaufte ein, lernte deutsche schlager auswendig, trank lieblichen Rotwein und ging Sonntags spazieren.

Was soll´s, dachte ich, ich war ein weichei, war gefangen, fühlte mich Scheiße und es zog auf meiner Birne.

Vor kurzem Traf ich sie wieder.


Ihr "NEUER" ist ein langhaariger Biker mit zerrissenen Jeans und Tätowierungen, der mich mitleidig ansah.






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Oberjäger
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Ort : Darkwoodswamp

BeitragThema: Re: Die leiden eines Mannes   Mo Jan 10, 2011 10:33 am

Selten so gelacht - kenn ich auch ein paar, die sich umgepolt haben. Ist manchmal echt traurig. Bestätigt einen aber so zu bleiben und störisch seinem Idealen treu zu sein. Ne Shaty?
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Shatyra
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BeitragThema: Re: Die leiden eines Mannes   Mo Jan 10, 2011 10:42 am

Ja, man sollte so bleiben wie man ist.
Dennoch ändert man sich leider auch selbst unbemerkt mit der Zeit, bleibt wohl nicht aus.

Aber verbiegen lasen sollte man sich nicht. Steckt schon viel Wahrheit im Text Smile
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